Filmkritik: Bad Neighbors

Es gibt ein halbes Dutzend Gründe, sich Bad Neighbors nicht anzusehen - und dennoch habe ich mich ihnen widersetzt und den Fehler begangen, doch ins Kino zu gehen. Dabei hätte es gar nicht so schlimm kommen müssen: Regisseur Nicholas Stoller hat zwar schon bewiesen, dass er pubertäre Komödien à la Männertrip mit Peniswitzen und flachen Sprüchen drehen kann, doch von ihm stammte auch das sehr schöne Drehbuch zu Die Muppets. Rose Byrne hat mit Sunshine von Danny Boyle oder X-Men: Erste Entscheidung ebenfalls schon ein gutes Händchen für ihre Rollenwahl bewiesen, dann aber doch auch wieder in Filmen wie Brautalarm oder Männertrip mitgespielt. Seth Rogen wiederum spielt nun fast ausschließlich in diesen typischen US-Comedies mit, schreibt auch oft selber die Drehbücher oder produziert die Filme gar. Leider war auch er schon mal viel lustiger. Bleibt noch Zac Efron, der in Hairspray natürlich der trottelige, aber sympathische Sänger war, aber ansonsten bislang noch nicht viel wirklich Positives auf der Leinwand zustande gebracht hat.

Nun könnte Bad Neighbors einfach eine sehr unterhaltsame Komödie sein, in der ein junges Ehepaar in ihren 30ern mit ihrem süßen Baby in einer scheinbar friedlichen Nachbarschaft wohnt und urplötzlich durch den Einzug einer Studentenverbindung ins Nachbarhaus aus ihrem ruhigen, aber auch tristen Leben gerissen wird. Alleine diese Prämisse ist schon so hanebüchen, dass sich einem die Nackenhaare aufstellen. Noch schlimmer könnte es nur sein, wenn so etwas in den USA wirklich möglich wäre. Eine Studentenverbindung zieht mitten in ein elitäres Wohnviertel? Kein normaler Mensch (weder Vermieter noch Markler oder sonst wer) würde das erlauben - von den rebellierenden Nachbarn ganz zu schweigen. Die gibt es natürlich in Gestalt von Rogens und Byrnes Charakteren, doch wieso zum Geier interessiert es keine Sau außer den beiden, dass da Crack-rauchende, pöblende Spinner wohnen, die jede Nacht eine Orgie feiern, bei der die Soundanlagen so laut dröhnen, dass man den Lärm noch 5 Blocks weiter hören müsste?

Die Logik beiseite gelassen, ist der große Schwachpunkt des Films aber ganz einfach der, dass die Gags nur selten zünden. Großkalibrige Lacher fehlen gänzlich, der gut gefüllt Kinosaal hat nur an einer handvoll Momente des Film halbherzig im Chor gelacht. Ansonsten gibt es einige nette Gags hin und wieder, die aber vor allem im überzogenen Finale des Film anzutreffen sind. In der ersten halbe Stunde kann ich mich nicht erinnern, überhaupt einmal gelacht zu haben. Ansonsten gibt es unzählige Witze über Penisse, Dildos oder das Abpumpen von Muttermilch, also alles, was ein niveauvoller Kinoabend so braucht. Statt beispielsweise wirklich gutem schwarzem Humor gibt es hier mehr seichte Witzchen aus der untersten Schublade, über die vielleicht 14-jährige noch lachen können... der Rest des Publikums wird dagegen feststellen, dass der Film doch einfach nur eine Mischung aus Project X und ähnlichem Pubertätsquark ist.

★★☆☆☆


Originaltitel: Neighbors


Darsteller:
 ... Mac Radner
 ... Kelly Radner
 ... Teddy Sanders
 ... Pete
 ... Scoonie
 ... Assjuice
 ... Jimmy
 ... Paula
 ... Dean Carol Gladstone
 ... Sebastian Cremmington

USA 2014, 96 Min.
Universal Pictures
Kinostart: 08.05.2014
FSK 12

Trailer:

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